David Weiss
PROVINZ
Pressemitteilung vom 21. Mai 2016
21. Mai 2016
David Weiss schätzt seine Freiheit – als Mensch wie als Künstler. Er ist ein aufmerksamer Beobachter, der sich gerne und häufig inspirieren lässt: sei es auf einer seiner Studienreisen in die „Provinzen der Welt“ wie die Mongolei oder Madagaskar, wo er sich jeweils mehrere Monate aufhielt, oder in seinem Heimatdorf am hessischen Vogelsberg: Verwunschene Orte oder kuriose Fundstücke finden Eingang in seine Werke, so wie all die Dinge, die ihn thematisch beschäftigen. David Weiss ist ein genauso lokalverwurzelter wie kosmopolitischer Mensch, er ist geschichtsbewusst und steht gleichzeitig im Hier und Jetzt.

Im Mittelpunkt seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Kai Dikhas stehen Landschaftsansichten, die scheinbar unspektakuläre Orte in einer klaren und realistischen Weise ins Zentrum seiner Perspektive stellen. Ein Motorrad parkt vor einem Laden in der Mongolei. Kein Mensch ist zu sehen. Man wähnt sich auf den ersten Blick in Texas und erwartet Dennis Hopper aus der Tür kommen,  befindet sich jedoch nicht in einem dortigen Roadmovie, sondern in der Mongolei. Verlassen und leicht verfallen liegt ein mit Graffiti überzogenes Gebäude da, der Titel verrät, eine „Alte Käserei“. Könnten Graffiti vielleicht auf Urbanität verweisen, ist es doch die örtliche Vogelsberger Käsefabrik. „Morgens“ zeigt in der Manier Caspar David Friedrichs eine dunkle Tanne vor grau bewölktem Himmel. Sehen wir uns bedächtiger Romantik gegenüber, kündet der Titel von einem Morgen, also Aufbruch. Der Künstler evoziert mit solchen ikonographischen Verweisen Stimmungen, die seine Titel oder den Kontext der Bilder ironisch brechen. Weiss will sich in bester Dada-Tradition nicht festlegen lassen, weder auf ein Sujet, noch ein Medium oder ein Material. Er malt, druckt, zeichnet, fotografiert, wirkt in einem Filmkollektiv mit und, wenn nötig, entwickelt er den passenden Werkstoff eben selbst - wie eine Paste aus Metallstaub und Pigmenten.

In Grafiken schafft er aus vermeintlich kleinen Begebenheiten ein satirisches Paralleluniversum und zu den Bildern gleich eigene Geschichten. In einer weiteren, surreal anmutenden Werkgruppe aus Zeichnungen und Lithographien begegnen wir geisterhaften Gestalten, die aus der Vergangenheit oder dem Unbewussten doch latent präsent in das Jetzt entsteigen. Es sind zum Beispiel die Phantome Madagaskars. Seine Studien madagassischer Muster und Bildnisse beeindruckten derart, dass er - als Deutscher mit Sinti-Abstammung - 2015 mit seinen Werken zu einer Ausstellung madagassischer Kunst nach Paris eingeladen wurde.

In David Weiss’ Kunst wird die Randperspektive zum Programm - der Rand als seine Perspektive rückt ins Zentrum seines Schaffens, seine Kunst wird angewandte Interkulturalität. Die Ausstellung mit dem Titel „Provinz“ treibt mit ihren humorvoll eleganten Werken einen kraftvollen künstlerischen Keil in fest gefügte Weltbilder.

David Weiss’ Werke waren zuletzt 2015 im Aufbau Haus zu sehen, in der Ausstellung Stopping Places V und in der Ausstellung Transmitting Trauma in der Galerie Kai Dikhas.


 
ERÖFFNUNG  
Freitag, 10. Juni 2016 . 19–21 Uhr
LAUFZEIT

11. Juni bis 3. September 2016 . Eintritt frei

ÖFFNUNGSZEITEN Mittwoch bis Samstag . 12–18 u.n.V
ORT Galerie Kai Dikhas . Aufbau Haus am Moritzplatz
  Prinzenstraße 84.2 I 10969 Berlin

Bei RĂĽckfragen stehen wir Ihnen gerne zur VerfĂĽgung:
Moritz Pankok MA (KĂĽnstlerischer Leiter)
Mi-Kyung Jun MA (Galerie Management)
Tel. 030 - 343 99 309 . presse@kaidikhas.com
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