Ceija Stojka
DIE HELLEN BILDER
Eröffnungsrede vom 29. Januar 2014
Pressemitteilung vom 17. Dezember 2013
18. Dezember 2013 - 15. März 2014


Sehr geehrte Journalistinnen und Journalisten,

die GALERIE KAI DIKHAS – die Galerie für zeitgenössische Kunst der Sinti und Roma - zeigt vom 29. Januar bis 15. März 2014 den Zyklus DIE HELLEN BILDER von Ceija Stojka. Die Eröffnung findet diesmal am Dienstag, den 28. Januar 2014, dem ersten Todestag der Künstlerin von 19 bis 21 Uhr im Aufbau Haus am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg statt. Dazu möchten wir
Sie herzlich einladen.




„
Ich fühle die Farben des Himmels, der Erde, des Waldes und des Wassers, ich höre das Klappern von Hufeisen und das Wiehern von Pferden – meine Tante Teija, wie sie „Hü hott!“ ruft, stets ist all dies in meiner Erinnerung. Der Wind streicht über die Gräser und ich sehe den Ton der Kornblumen, des Weizens, sehe die Kirschen, die Tannenbäume, die Zweige und Äste, wie sie sind. Alles trage ich in mir – in meinem Bauch oder meinem Herzen – und setze es um in meinen Bildern. Tief aus mir heraus tritt das Empfinden und wird zu einer Darstellung, zu einem Ausdruck meiner Seele. Dann geht es mir gut und das ist das Schönste. Meine Raben und mein Ast, die immer wieder vorkommen, zeigen meinen Glauben daran, dass alles besser und nicht schlimmer werden soll, mein Vertrauen in das, was kommen mag.“*

Ceija Stojka (1933 - 2013) war bildende Künstlerin und Autorin. Als Kind überlebte sie drei Konzentrationslager. Mit ihren Schriften und ihrer Kunst trat sie die wichtige Aufgabe einer mahnenden Überlieferung an und nahm dafür immer wieder aufs Neue in Kauf, mit ihren traumatischen Erinnerungen konfrontiert zu werden. Ceija Stojka befand sich an der Schnittstelle zwischen Tradition und der Avantgarde, der Moderne: einerseits war sie Bewahrerin und Vermittlerin der Tradition – und andererseits stand sie für ein Fortschreiben und Brechen mit selbiger. Sie verwies darauf, dass man als Angehöriger und Überlebender die Pflicht habe, sichtbar zu sein und den Mut haben müsse, sich zu Wort zu melden. Damit brach sie - noch dazu als Frau - ein Tabu und eine Mauer des Schweigens.

Nachdem die Galerie 2012 unter dem Titel WIND.ERINNERUNGEN Bilder ihres "Auschwitz Zyklus" zeigte, werden in Gedenken an die Künstlerin nun Werke ihres "Hellen Zyklus“ zu sehen sein; Bilder voller Farbe, getragen von einer Atmosphäre der Liebe, Wärme und Zuneigung. Die Autodidaktin Stojka fing erst mit Mitte 50 an als Künstlerin zu arbeiten, zu schreiben und zu malen - aus einem stetig gewachsenen, bald unbezwingbaren Drang heraus. Alternierend, je nachdem ob sie einen guten oder einen schlechten Tag hatte, entstanden ihre Bilder über die Albtraumerlebnisse im KZ oder die Naturdarstellungen. Ihre Arbeitsweise war dabei sehr unmittelbar; oft trug sie die Farbe mit bloßen Händen auf Leinwand, Papier oder schlichten Pappkarton auf. Vielfach
sind diesen Bildern kurze kommentierende Texte beigegeben.

Im Zyklus der HELLEN BILDER sieht man die Wohnwagen der Roma, Plätze, an denen ihre Familie früher gehalten hat, und vor allem Natur. Diese Bilder sind wie ein Schritt aus der Finsternis heraus und zeigen eine Malerin, deren Werke wie eine Vergewisserung ihrer Existenz und einer Welt jenseits des erfahrenen Albtraums wirken. Mit kraftvollen Pinselstrichen und leuchtenden Farben gibt die Künstlerin Einblick in die ihr vertraute Welt der Lovara Roma. Wobei auch häufig in den Naturdarstellungen das Unheil sich subtil, in der Form von Raben, verdorrten Ästen ankündigt, die Idylle also häufig eine gefährdete ist.


Selbst wenn die alten Roma-Wagen der Stojka-Familie nicht der Lebenswirklichkeit heutiger Roma entsprechen mögen, so wird ihr Abbild zu einem Symbol des Widerstandes gegen die Enteignung einer Kultur und traditionellen Lebensweise. Während es manchen scheinbar-naiven Malern nicht gelingt, die Naturverbundenheit wirklich glaubhaft darzustellen, so geht von diesen Bildern Klarheit, eine bestechende Ehrlichkeit und ein regelrecht natürlicher, zarter Wind aus. Stojka nahm sich mit dem Zyklus der HELLEN BILDER mit bloßen Händen und ihrer Farbpalette, was ihr in ihrer Jugend für immer entrissen worden schien - und ermöglichte sich so ein Weiterleben.

Diese Bilderserie feiert und bejaht das Leben und die Natur, ist ein froher, ja vielleicht auch vertrauensvoller Blick in die Zukunft. Wir wollen ihren Todestag zum Anlass nehmen, mit ihren HELLEN BILDERN das Leben zu feiern. Ihr Wirken, ihre Kunst und ihre unersetzliche liebevolle Persönlichkeit dürfen niemals vergessen werden.

CEIJA STOJKA . DIE HELLEN BILDER

LAUFZEIT 29. Januar 2014 bis 15. März 2014
ERĂ–FFNUNG Dienstag, den 28. Januar 2014 . 19 - 21 Uhr
Ă–FFNUNGSZEITEN Mittwoch bis Samstag . 12 - 18 Uhr
ORT Galerie Kai Dikhas . Aufbau Haus am Moritzplatz


*Aus dem von Ceija Stojka verfassten Vorwort zum Katalog KAI DIKHAS - ORT DES SEHENS 2, Berlin 2012, S. 7
Bildnachweis 1: In der Privatwohnung der Künstlerin, © Moritz Pankok, 2012
Bildnachweis 2: Ceija Stojka, Ohne Titel, ohne Jahr, Acryl auf Leinwand, 60 x 80cm 
Bildnachweis 3 Ceija Stojka, Ohne Titel, ohne jahr, Acryl auf Leinwand, 48 x 39cm
Weiteres Bildmaterial auf Anfrage.


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