Gabi Jiménez
Gabi Jiménez . SCHWARZ & WEISS
12. MĂ€rz 2019
La couleur est partie. Elle s'en est allĂ©e, expulsĂ©e. Loin, elle parcourt d'autres compositions, se mĂȘlant aux formes, aux traits, s'arrĂȘtant lĂ  oĂč on veut bien l'accueillir, lĂ  oĂč elle peut stationner. Pourtant on l'aime bien la couleur. Quand elle arrive avec ses touches colorĂ©es, en dansant, quand elle vient en musique, les cheveux dans le vent, on la veut. Mais quand la couleur surgit de nulle part, quand elle s'arrĂȘte ici ou lĂ , quand elle s'installe prĂšs de compositions sĂ©dentaires bien ancrĂ©es, alors lĂ , plus rien ne va.

Die Farbe ist weg. Sie ging weg, man hat sie vertrieben. Weit weg reist sie durch andere Kompositionen, mischt sich mit Formen, Merkmalen, bleibt stehen, wo wir sie willkommen heißen wollen, wo sie sich niederlassen kann. Dennoch lieben wir die Farbe. Wenn sie mit ihren bunten BerĂŒhrungen, ihrem Tanz, wenn sie zur Musik kommt, mit ihren Haaren im Wind, wollen wir sie. Aber wenn die Farbe aus dem Nichts auftaucht, wenn sie hier oder da innehĂ€lt, wenn sie sich in der NĂ€he etablierter sesshafter Kompositionen einrichtet, dann lĂ€uft nichts mehr richtig.
Gabi Jiménez


Der französisch-spanische KĂŒnstler Gabi JimĂ©nez ist bekannt fĂŒr seine farbkrĂ€ftigen GemĂ€lde, die er in einem eigenen, der Comic-Zeichnung entliehenen, Malstil entwirft. Unter seinen Arbeiten sind aber auch viele monochrome Schwarz-Weiss-Arbeiten, die besonders pointiert die Bildideen des KĂŒnstlers festhalten. Die Ausstellung SCHWARZ & WEISS widmet sich diesen Werken: Grafiken, Comics, aber auch Arbeiten auf Leinwand. Die Reduktion der Farbe lĂ€sst den grafischen Einfallsreichtum des KĂŒnstlers noch deutlicher zu Tage treten. So ist sein SCHWARZ & WEISS keinesfalls eintönig oder gar das Schwarz-Weiss des heutigen politischen Diskurses.

Augenzwinkernd meint das SCHWARZ & WEISS des Gabi JimĂ©nez auch das leider oftmals mit Schwierigkeiten und Gewalt verbundene Aufeinandertreffen von Roma mit Nicht-Roma, das Aufeinandertreffen der Schwarzen, der KalĂ©, mit den Weißen, den Gadje. Dem begegnet Gabi JimĂ©nez mit den Mitteln des Dadaismus – wie sein verstorbener Bruder in der Kunst, Damian Le Bas, dem wir diese Ausstellung widmen. Der Gypsy DaDa war ein neuer Begriff, den die beiden KĂŒnstler wĂ€hrend ihrer denkwĂŒrdigen gemeinsamen Ausstellung Gypsyland in der Galerie Kai Dikhas im Januar 2012 prĂ€gten und auch direkt in einem großen gemeinsamen Werk manifestierten. Es ist ein bissiger und eben auch entwaffnender Humor, der dem Ernst von UnterdrĂŒckung und Rassismus entgegentritt.

Wir treffen in dieser Ausstellung auf ein Markenzeichen von Gabi JimĂ©nez, kleine symbolhafte Caravans, die sich durch die Bilder, im Bild „Viva Parisse“ um den Eiffel-Turm und bei den „Schwarzen Caravans“ durch Stacheldraht hindurch, winden. Und wir begegnen grimmigen Igeln. Diesen stachelbewehrten, aber doch eigentlich friedliebenden SĂ€ugetieren, die oftmals in der Roma-Tradition mit „Niglos“ assoziiert werden. Bei JimĂ©nez werden sie zu Ikonen einer Roma-RĂ©sistance, die sich einem Strudel aus StacheldrĂ€hten, aus Gewalt, einem Fin du Monde, einem Ende der Welt, wie wir sie kennen, zu erwehren wissen. JimĂ©nez erinnert auch an Federico Garcia Lorca und seine Ermordung durch Falangisten 1936. Lorca, der spanische Dichter, der den andalusischen Gitanos wie kein anderer verbunden war, betrachtet in einem Gedicht des KĂŒnstlers, welches in einem die Ausstellung begleitenden Buch veröffentlicht ist, im Moment seines Todes Ameisen, die sich als Motiv durch die Ausstellung ziehen. Er lĂ€sst den sterbenden Lorca in dieser surrealen Betrachtung denken: „Die Gitanos sind unsterblich. Die Gitanos sind wie meine BrĂŒder. Ich weiß - ich bin ĂŒberzeugt - dass die Gitanos immateriell sind. Daher kommt der Flamenco! Es ist gut, Gitano zu sein! Es ist gut immateriell zu sein! Die Gitanos sterben nie, weil sie ĂŒber den Schrecken stehen!“

Gabi JimĂ©nez ist einer der zentralen KĂŒnstler*innen der Minderheit, die der internationalen kĂŒnstlerischen Bewegung seit dem ersten Pavillon der Sinti und Roma in Venedig im Jahr 2007 „Paradise Lost“, der auch JimĂ©nez Arbeit prĂ€sentierte, zu Erfolg verhelfen.
Moritz Pankok
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